Lina (28)

Lina (28 Jahre alt)
Vor der Behandlung:
Mit 14 Jahren und dem Beginn meiner Periode ist mir aufgefallen, dass ich keine Tampons einführen kann. Ich habe das Problem zunächst auf anfängliche Überforderung mit der neuen Situation und mangelnde Erfahrung geschoben.
Im Alter von 16-18 Jahren hatte ich einen Freund, mit dem ich meine ersten sexuellen Erfahrungen sammeln wollte. Wir versuchten öfter Geschlechtsverkehr zu haben, jedoch konnte er mit seinem Penis kein Stück in mich eindringen. Ich hatte Schmerzen, es fühlte sich an wie eine Wand oder als hätte ich gar keinen Scheideneingang.
Ich habe mich mit meinem Problem an meine Frauenärztin gewandt. Untersuchungen waren kaum möglich vor Schmerzen. Sie stellte dann nach vielen „Untersuchungen“ fest, dass ein Hautstrang vor mein Jungfernhäutchen gewachsen ist. Dieser wurde operativ entfernt.
Jedoch löste sich das Problem nicht. Beim Versuch Geschlechtsverkehr zu haben, war alles wie zuvor. Bei meiner Frauenärztin stieß dies auf wenig Verständnis. Sie sagte, dass sich nicht einmal Kleinkinder bei einer Untersuchung so anstellen wie ich und dass bei mir „da oben wohl was nicht stimmen würde“ und drückte mir eine Überweisung zum Psychologen in die Hand. Von diesem Zeitpunkt an bin ich nie wieder zum Frauenarzt gegangen, weil ich mich so sehr geschämt habe. Zum Psychologen bin ich auch nicht gegangen, weil ich gar nicht wusste, was ich wie sagen oder erklären soll.
Über die Jahre hat sich bei mir auf partnerschaftliche Beziehungen bezogen das Gefühl entwickelt, sexuell nicht auszureichen, nicht gut genug zu sein, keine vollwärtige Frau zu sein etc. Daher habe ich aus Scham versucht, sämtliche intime Beziehungen zu meiden und Männer von mir fern zu halten, weil ich schließlich weiß, dass die Beziehung aufgrund meiner Problematik sowieso scheitert. Ich kann dies auch niemandem zum Vorwurf machen, weil es für mich selbst eine absolute Qual ist. Auch in meinem Freundeskreis etwickelte ich in unterschiedlichen Situationen Lügenkonstrukte, da ich mich für die Wahrheit schämte.
Als ich dann vor einigen Monaten wieder einen Mann kennenlernte, der sich von meinen Abwehrmechanismen nicht vertreiben ließ, habe ich erneut nach Behandlungsmethoden für Vaginismus im Internet gesucht. Dabei bin ich auf die Vaginismus-Therapie von Fr. Dr. Reeve in Heinsberg gestoßen. Die Erfahrungsberichte hörten sich durchweg positiv an – zu schön um wahr zu sein. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es innerhalb von 3 Therapiesitzungen möglich sein soll, Vaginismus zu überwinden. Ich habe mich telefonisch erkundigt. Schon das Anrufen und Benennen des Grundes meines Anrufs stellte für mich eine Hürde dar. Die Assistentin von Frau Reeve war allerdings sehr nett und beantwortete mir alle Fragen. Jedoch hatte ich noch große Zweifel, ob es sich um eine seriöse Praxis und tatsächliche Erfolgschancen handelt. Schließlich lobt jeder seine eigene Behandlungsmethode.
Letztendlich habe ich mich dafür entschieden und glücklicherweise meine Wunschtermine innerhalb der nächsten drei Wochen erhalten. Am Tag vor der Therapie endete meine Beziehung (aufgrund anderer Faktoren). Ich hatte große Zweifel, die Termine noch wahrzunehmen. Ich war allein, hatte niemanden zum Üben, glaubte sowieso nicht wirklich an den Erfolg und würde das eh alles nie schaffen, was über mehrere Jahre nicht funktioniert hat, würde auch jetzt nicht funktionieren. Um ehrlich zu sein waren die bereits gezahlten Behandlungskosten der einzige Grund, die Termine überhaupt wahrzunehmen.
Die Behandlung:
Während des Aufenthalts war ich immer allein mit der Assistentin und Frau Reeve in der Praxis. Ich bin weder im Wartebereich noch sonst irgendwo jemandem begegnet. Das hat mich sehr beruhigt und für eine vertraute Atmosphäre gesorgt. Während der Behandlung war ich mit Fr. Reeve allein. In allen drei Sitzungen gab es immer einen theoretischen und einen praktischen Teil.
Die theoretischen Teile waren sehr gut. Ich habe noch nie so gut den weiblichen Körper und den Vaginismus erklärt bekommen. Dank sehr guter Erklärungen und passender Bilder kann ich nun endlich verstehen, was in meinem Körper passiert. Vorher war das für mich alles ein unlösbares Rätsel.
Für die praktischen Übungen habe ich ein Dilatoren-Set mit vier unterschiedlich großen Dilatoren erhalten. Die Übungen finden auf dem gynäkologischen Stuhl statt. Beides – die für mich gedanklich unüberwindbare Größe des ersten (kleinsten) Dilators und der gynäkologische Stuhl – trieben mir die absolute Panik ein. Ich wäre am liebsten weggelaufen, nur bei dem Gedanken daran, dass ich auf dem Stuhl sitzen und mir etwas einführen soll.
Gerade deshalb kann ich gar nicht glauben, was ich während der praktischen Übungen erreicht habe. In der ersten Sitzung konnte ich mir schon die ersten beiden Dilatoren einführen. In der zweiten Sitzug den Dritten und in der dritten Sitzung den Vierten, sowie meinen Finger und ein Tampon.
Ich kann immernoch nicht begreifen, wie das möglich sein kann. Ich konnte seit ich 14 Jahre alt bin noch nie etwas in meine Scheide einführen. Ich denke es liegt an der passenden Mischung zwischen Theorie und Praxis sowie der guten Anleitung bei den praktischen Übungen. Ich habe zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass sich mein Körper und mein Kopf nicht mehr gegen mich verschworen haben, sondern dass ich Einfluss auf mich nehmen und mich steuern kann.
Nach der Behandlung:
Ich hatte Angst davor, dass die erzielten Erfolge zuhause ohne „fachliche Anleitung“ nicht stabil bleiben, zurück gehen und das Einführen nicht mehr funktioniert. Bis jetzt funktionieren sie und das macht mich immer wieder überglücklich. Für mich sind die Übungen noch nicht einfach und kosten Überwindung, aber ich erlange mit jedem Mal mehr Selbstvertrauen und es fällt mir immer etwas leichter. Ich hoffe, dass ich dran bleibe, um die Erfolge zu stabilisieren. Aber das völlig neue Lebensgefühl direkt nach den Erfolgen in der Behandlung ist es auf jeden Fall wert, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren!
Ich kann mein Leben endlich frei und flexibel gestalten. Ich muss niemanden mehr aus Scham anlügen. Vor allem aber muss ich mich selbst nicht mehr belügen. Ich kann mir wieder einen Kinderwunsch eingestehen und muss ihn mir aus Verzweiflung nicht mehr ausreden, weil ich denke, dass es eh nicht funtkionieren wird. Ich kann frei und flexibel Sommerurlaub am Meer buchen, Schwimmen gehen, in die Sauna gehen etc. und muss nicht alles mit Blick auf meine Periode planen. Ich kann mich beim Frauenarzt untersuchen lassen und meine Gesundheit im Blick behalten! Ich freue mich darauf, die nächste partnerschaftliche Beziehung einzugehen, weil ich nun alles was dazu gehört erleben kann! Und bis dahin konzentriere ich mich auf mich selbst, um immer sicherer zu werden!
Es funktioniert also tatsächlich und ich kann jeder Frau nur raten, diese Vagnismus-Therapie zu machen. Das Glücksgefühl danach ist unbeschreiblich und dafür bin ich so dankbar. Ich hätte mich viel früher trauen sollen, dann wäre mir einiges an Leid erspart geblieben!!!