Katrin (27) und Wilhelm (42)

Bereits im Kleinkindalter (als ich ca. 3 Jahre alt war) hatte ich Probleme auf fremden Toiletten Wasser zu lassen. Auch draußen, wenn meine Eltern mich „abhalten“ wollten, wie man das bei kleinen Kindern unterwegs so macht, wenn sie Pipi müssen, war kein Wasser lassen möglich. Ich konnte noch so dringend Wasser lassen müssen, wenn mir eine Toilette oder die ganze Situation nicht behagte, war ein „Wasser lassen“ nicht möglich. Bis heute habe ich damit teilweise noch Probleme. Im Alter von 15 Jahren bekam ich meine Periode und hatte damals bereits Probleme Tampons einzuführen. Ich habe es einige Male versucht, es aber nie hinbekommen den Tampon „richtig“ einzuführen. Ich hatte beim Einführen Schmerzen und wenn der Tampon gerade so einiger-maßen in meiner Scheide verschwunden war, ging es auch schon nicht mehr weiter. Dies war dann natürlich ein sehr unangenehmes Gefühl und der Tampon rutschte logischerweise nach kurzer Zeit wieder heraus.

Da ich ein „Spätzünder“ war, interessierte ich mich erst recht spät für Jungs und Sexualität. Noch dazu hatte ich immer sehr großen Respekt vor dem Thema Sex. Woher dies genau kam, kann ich gar nicht bewusst sagen. Das erste Mal versuchte ich mit einem Jungen zu schlafen als ich ca. 22 Jahre alt war. Dies klappte leider nicht. Bei dem Versuch in mich einzudringen fühlte es sich nach Aussage meines damaligen Freundes an, als wenn dort eine „Wand“ wäre oder meine Scheide einfach zu eng sei. Ich empfand einfach nur sehr starke Schmerzen – an ein weiteres Einführen war nicht zu denken. Nach nur knapp 3 Monaten Beziehung machte mein damaliger Freund mit mir Schluss, da es für ihn nicht denkbar war ohne „richtigen Geschlechtsverkehr“ eine Beziehung zu führen. Danach war ich natürlich unglaublich enttäuscht. Nicht nur von meinem damaligen Freund sondern auch von mir und meinem Körper. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum es ausgerechnet bei mir nicht funktioniert. Des weiteren kam natürlich die Angst dazu wie es sein würde, wenn ich mich neu verlieben würde. Ich hatte ja immer noch mein erstes Mal vor Augen und natürlich die bisherigen misslungenen Versuche im Hinterkopf. Nach dieser Beziehung war ich über ein Jahr Single. Dann lernte ich meinen jetzigen  Freund kennen. Ich hatte natürlich Angst ihm zu sagen, dass ich ein Problem habe und noch Jungfrau bin. (mit fast 24 Jahren!) Als ich meinem Freund offenbarte was bei mir los war, war er total lieb und meinte er fände es überhaupt nicht schlimm. Nach einigen Wochen haben wir dann versucht miteinander zu schlafen. Er war sehr lieb und einfühlsam, aber auch hier funktionierte es wieder nicht. In den Jahren hatte sich bei mir natürlich auch eine große Unsicherheit aufgebaut. Mit jedem Versuch bei dem es nicht klappte, wurde ich unsicherer und verlor immer mehr das Vertrauen in mich und meinen Körper. Bei weiteren Versuchen war ich somit schon vorher angespannt und hatte immer schon die Angst „es könnte wieder nicht klappen und/oder weh tun“. Mein großes Glück ist mein liebevoller, wunderbarer Freund, der mich die gesamte Zeit unter-stützt hat und auch immer noch unterstützt. Da wir sexuell trotzdem aktiv waren und letzt-endlich nur die Penetration fehlte war er nicht unglücklich. Er sagt immer, dass Liebe nicht vom Sex abhängig ist, und dass man eine Liebe nicht aufgibt nur weil ein kleiner Teil davon nicht funktioniert. Damit hat er mir viel Sicherheit gegeben. Meine Angst, direkt wieder verlassen zu werden, weil kein Geschlechtsverkehr möglich war, ließ langsam nach. Nach ca. 2 Jahren Beziehung wollte ich dann etwas ändern, weil es mich einfach frustrierte und auch ängstigte, dass ich meinem Freund nicht das geben konnte, was er doch bei jeder anderen Frau bekommen könnte. Ich wollte es einfach schaffen nicht nur für uns sondern auch für mich, damit ich mich endlich als „vollwertige Frau“ fühlen kann. Als erstes ließ ich mich auf eine Hypnosebehandlung ein. Trotz des Versprechens, dass man nach einer Sitzung seine sexuellen Blockaden und Probleme los sei, klappte es nicht. Ich war sehr enttäuscht und auch sauer auf mich selbst. Danach passierte wieder eine ganze Zeit lang nichts. Ich wusste einfach nicht, was ich noch probieren sollte. Nachdem ich mit meinem jetzigen Freund dann knapp 3 Jahre zusammen war, entschied ich mich eine neue Frauenärztin aufzusuchen und auch ihr mein Problem zu schildern. In der ganzen Zeit (seit meinem ersten Freund) habe ich insgesamt 7 Frauenärztinnen zu diesem Thema aufgesucht. Viele haben mir geraten mich mal „schön locker“ zu machen, vorab ein Bad zu nehmen, oder aber mich mit Alkohol locker zu machen. „Tolle“ Ideen, die leider alle nicht klappten. Als ich nun dieser neuen Frauenärztin mein Problem schilderte, war sie sehr verständnisvoll. Sie verstand direkt mein Problem und nannte mir den Begriff „Vaginismus“. Als sie mich untersuchen wollte, konnte sie kaum mit einem „Kinderspeculum“ in meine Scheide schauen, weil ich so verkrampft war. Sie versuchte dann ihren kleinen Finger einzuführen. Es war mir ziemlich unangenehm aber es klappte. Da sie sich nicht genau mit dem Thema Vaginismus auskannte, musste sie erst mal nachforschen. Sie empfahl mir dann ein Pelottenset und sagte mir ich solle vorsichtig nach und nach damit zu Hause üben – wichtig sei, dass ich keine Schmerzen dabei habe. Genaue Tipps zum Einführen etc. konnte sie mir aber leider nicht geben. Ich googelte am gleichen Tag den Begriff Vaginismus und bestellte mir das Buch vom Beckenbodenzentrum von Claudia Amherd. Ich las es in wenigen Tagen durch. Man bekommt dort einen guten Überblick und einige Tipps, aber für mich war es zu theoretisch. Also begann ich nach und nach alleine zu üben. Direkt am ersten Tag konnte ich die ersten Größen einführen. Ich war so glücklich und überrascht!! Nach ca. 2 Monaten konnte ich dann die vorletzte Größe komplett einführen. Als mein Freund und ich dann probierten Geschlechtsverkehr zu haben, funktionierte es aber leider wieder nicht. Das Üben schlief dann wieder ein und wir trauten uns nicht wieder einen Versuch zu wagen. Dann las ich im Internet von Frau Dr. Reeve und ihrer Praxis in Heinsberg. Ihre Vaginismus Homepage sprach mich an und ich war froh, dass ich endlich jemanden gefunden hatte, der sich mit dem Thema Vaginismus gut auskennt. Die vielen positiven Erfahrungsberichte machten mir große Hoffnungen. Nach Rücksprache mit meinem Freund vereinbarte ich einen Termin bei Frau Dr. Reeve. Bereits 2 Wochen später bekam ich einen Termin. In der Praxis waren alle sehr nett. Frau Dr. Reeve ist wirklich einfühlsam und man braucht ihr nicht viel zu erzählen, da sie durch die vielen Erfahrungen sehr gut versteht, wie man sich fühlt und welche Ängste man hat.

Sie hat uns nachdem wir unsere Situation geschildert haben erst mal die Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane erklärt. Dadurch nahm sie mir die Angst, dass etwas „in mir“ kaputt gehen könnte. Sie erklärte uns an mehreren Beispielen, dass die Scheide eine „normale Körperöffnung“ ist, wie z.B.: das Ohr. Dort hat man ja auch Empfindungen, wenn man z.B.: einen Finger hineinsteckt. Sehr gut fand ich ihre Beschreibung für die reflexartige Verkrampfung des Beckenbodenmuskels und das man darauf oft keinen Einfluss hat. Als Vergleich nannte sie uns das Beispiel, dass wenn sie mit dem Finger auf mein Auge zu geht mein Auge zwinkert/blinzelt um das Auge zu schützen. Nichts anderes macht unterbewusst auch mein Beckenboden, weil ich durch meine Angst unbewusst meinen Beckenboden anspanne, wenn etwas eingeführt werden soll. Nach der Erklärung der Anatomie gingen wir dann in den Untersuchungsraum. Dort legte ich mich auf den gynäkologischen Stuhl. Ich sollte einen Handspiegel halten und sie zeigte uns alles genau was wir zuvor als Zeichnungen gesehen hatten. Da ich schon mit den Pelotten zu Hause geübt hatte, sollte ich dies nun auf dem Stuhl durchführen. Während ich die Pelotten einführte, konnten wir uns genau per Ultraschall anschauen, wie weit die Pelotte eingeführt war und an welchen Organen sie vorbei geht. Das war wirklich alles sehr anschaulich und hat uns  viel Angst genommen. Sie gab mir noch wertvolle Tipps für das weitere Üben mit den Pelotten, damit ich das Einführen noch besser hinbekomme und sich der Beckenboden noch schneller entspannt. Als sie uns nach dem Termin verabschiedete, meinte sie, dass sie sicher sei, dass wir den Übergang zum richtigen Geschlechtsverkehr schnell hinbekommen würden. In der Folgezeit habe ich fleißig jeden Tag nach Frau Dr. Reeves Anleitungen geübt und dann auch nach ca. einer Woche einen großen Fortschritt gespürt. Die Pelotten ließen sich viel schneller einführen. Dies hat mir gezeigt wie wichtig es ist mit „professioneller Anleitung“ zu üben. Leider hatten wir in der Folgezeit nicht wirklich viel Zeit den Übergang zum richtigen Geschlechtsverkehr zu versuchen, da mein Freund eine Zeit ins Ausland musste. Vor einigen Tagen versuchten wir es spontan ca. 5 Wochen nach dem Termin bei Frau Dr. Reeve. Ich führte vorab mehrfach die größte Pelotte ein und als mein Freund versuchte seinen Penis einzuführen, klappte es auf Anhieb!! Zu diesem Zeitpunkt waren wir fast 4 Jahre zusammen! Es war einfach nur schön und wir beide waren hinterher total glücklich! Es fühlte sich wirklich gut an. Ein Penis ist weich und warm und es fühlt sich angenehmer an als mit den Pelotten.! Direkt nach dem Geschlechtsverkehr habe ich mich gefragt: „Das war es? Das hat Dir so viele Jahre so viele Probleme bereitet und Dein Selbstwertgefühl gedrückt? Es war doch gerade ganz einfach und schön – hättest Du das Problem doch schon vor Jahren bekämpft!!“ Sicherlich werden wir in der Folgezeit noch etwas üben müssen, damit das Einführen des Penis noch schneller klappt etc.! Wir denken das kommt dann alles mit der Routine! Das Üben mit den Pelotten werde ich sicherheitshalber in der nächsten Zeit auch noch weiter durchführen – einfach um die Sicherheit weiter zu behalten. Da ich das Üben auch bereits in meinen Alltag integriert habe und es für mich nicht mehr unangenehm ist, ist dies aber auch kein Problem! Ich bin einfach nur glücklich dieses Problem endlich in den Griff bekommen zu haben und kann alle Frauen mit Vaginismus nur ermutigen den gleichen Weg zu gehen – es lohnt sich!! Nachtrag: Mir geht es sehr gut. Ich übe immer noch 1-2 mal pro Woche einfach um die Sicherheit zu behalten. Das Üben geht aber sehr schnell und macht keine Probleme. Es ist inzwischen Routine. Während meiner Periode benutze ich inzwischen nur noch Tampons und das Einführen klappt super. Auch bei meiner Frauenärztin war ich bereits 2 x zur Kontrolle. Die Untersuchungen laufen jetzt ebenfalls sehr gut. Beim Geschlechtsverkehr klappt inzwischen alles gut und wir empfinden Glück und Befriedigung bei der körperlichen Liebe.   Vor einigen Tagen habe ich Sie und Ihre Praxis noch einer Ärztin weiter empfohlen, die in meiner Akte sah, dass ich Vaginismus erfolgreich besiegt habe. Sie fragte mich wie ich das gemacht habe und da habe ich der Ärztin meine Erfahrungen mitgeteilt und Sie und Ihre Praxis direkt empfohlen.