Jasmin (26)

Schon immer habe ich lange gewartet bevor ich Wasser gelassen habe. Die öffentlichen Toiletten oder das Schul WC fand ich immer eklig und unhygienisch. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass das mal so negative Auswirkungen auf mein späteres Leben haben könnte. Als ich zum ersten Mal versuchte einen Tampon einzuführen, empfand ich einfach nur brennende Schmerzen und ließ ich es deshalb sein. Später versuchte ich es hin und wieder noch mal. Aber es klappte nie. Also gab ich es irgendwann auf und fand mich damit ab.

Als ich mit 22 Jahren meinen Freund kennenlernte, war ich noch Jungfrau (ich war ein Spätzünder was Jungs anging), und schämte mich es ihm zu sagen. Er nahm diese Nachricht aber total positiv auf und freute sich sogar „der Erste“ sein zu dürfen. Vor dem ersten Mal ging ich zu einer Frauenärztin und ließ mir die Pille verschreiben. Eine Untersuchung war kaum möglich, weil ich extrem verkrampft und nervös war. Aber die Frauenärztin sagte mir, dass alles in Ordnung sei. Als ich und mein Freund dann versuchten miteinander zu schlafen, ging es nicht. Wir dachten es läge an der Nervosität und der Angst vor dem ersten Mal und versuchten es immer wieder. Aber als es dann auch nach Monaten immer noch nicht klappte, sogar als wir ungestört und entspannt zusammen im Urlaub waren, machten wir uns Sorgen und Gedanken. Ich ging wieder zu der Frauenärztin, die mir sagte ich soll mir zur Entspannung mehrere Gläser Wein genehmigen und mich einfach gehen lassen, dann würde es schon klappen. Natürlich funktionierte es nicht und ich fing an mich zu fragen, ob mit mir was nicht stimmt und ob ich nicht normal bin. Ich setzte mich immer mehr unter Druck, sagte mir, dass es doch irgendwie gehen muss. Ich suchte nach einer anderen Frauenärztin, die mir dann riet es behutsam immer wieder mit dem Finger zu versuchen und mich zu entspannen. Nachdem das alles nichts brachte, resignierte ich immer mehr. Ich zog mich zurück und hatte extreme Schuldgefühle und schämte mich. Ich wollte einfach nur mit dem Mann, den ich liebte, schlafen. Ich hatte große Angst ihn zu verlieren. Schließlich konnte ich ihm nicht das geben, was er bei jeder anderen Frau bekommen könnte. Irgendwann fing ich an selber im Internet zu recherchieren. Ich gab bei Google „Schmerzen beim Sex“ und „durch Engegefühl kein Sex möglich“ ein und irgendwann tauchte der Begriff „Vaginismus“ auf. Ich las alles was ich dazu finden konnte und alles was dort stand, traf genau auf mich zu. Zu der Erleichterung, endlich zu wissen was mit mir los ist, dass ich nicht die einzige mit dem Problem bin und dass ich normal bin, kam die Angst dazu wie es nun weiter geht. Ich ging wieder zu meiner Frauenärztin, die bei mir den Vaginismus bestätigte und mir zu einer Psychotherapie riet. Ich konnte mir aber keine Psychotherapie vorstellen und schämte mich immer noch für meine Situation. Also beschloss ich mir ein Pelotten Set aus dem Internet zu bestellen und damit zu üben. Nach einigen erfolglosen Versuchen, die Pelotten einzuführen, gab ich es auf. Ich sah ein, dass eine Psychotherapie vielleicht doch hilfreich sein könnte, konnte mir aber nicht vorstellen, dass allein durch Gespräche das Problem gelöst werden könnte.

“Ich bin jetzt über das Erfolgserlebnis so erleichtert und glücklich.”

Bei meinen Recherchen im Internet nach geeigneten Ärzten / Therapeuten, die sich mit Vaginismus auskennen, fand ich Frau Dr. Reeve und beschloss nach einigen Überlegungen einen Termin zu vereinbaren. 2 Monate vor dem Termin beendete mein Freund unsere Beziehung. Als Hauptgrund nannte er meinen Vaginismus. Meine Angst ihn zu verlieren wurde also Wirklichkeit. Trotz dieser für mich sehr schweren Zeit oder gerade deswegen entschied ich mich, es alleine zu schaffen und zu Frau Dr. Reeve zu fahren. Bei dem ersten Termin war ich sehr aufgeregt und hatte große Angst was mich erwartet. Als ich aber in die Praxis kam, wurde ich sehr nett und herzlich empfangen. Ich habe mich sofort gut aufgeho-ben gefühlt. Die Ärztin nahm sich Zeit und war sehr verständnisvoll und erklärte mir alles ganz genau. Frau Dr. Reeve sprach mir Mut zu und schon beim ersten Versuch konnte ich ohne große Schwierigkeiten die kleinste Pelotte einführen und danach direkt die zweite Größe. Ich bin jetzt über das Erfolgserlebnis so erleichtert und glücklich und bin Fr. Dr. Reeve und ihrem Team so unendlich dankbar dafür, dass sie mir dabei geholfen haben. Natürlich frage und ärgere ich mich, warum ich diesen Schritt nicht schon früher gemacht habe. Dann wäre mir vielleicht so einiges Leid erspart geblieben. Aber wer weiß, vielleicht war dieser lange und holprige Weg auch für irgendetwas gut.